R.E.M.: OUT OF TIME → UP TO DATE

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Michael, ihr habt der Reissue ein ganz neues Gesicht verpasst. Warst du als früherer „Art Director“ von R.E.M. an der Umgestaltung beteiligt?
Michael: Ja, wie Peter damals sagte, ich war der „Kunst-Mann“ bei uns. Ich war für den ge­­samten visuellen Auftritt der Band zuständig. Damals habe ich den Job für OUT OF TIME sehr gerne übernommen (lacht) und so war es auch jetzt. Alle Komponenten, die Fo­­tos von Anton Corbijn und anderen Künstlern von damals zu nehmen und diese neu zu arrangieren, war großartig. Ich finde, das Ergebnis ist sehr zeitgemäß und fühlt sich wirklich nach 2016 an.

Mike, warst du derjenige, der die Ton-Archive durchforstete und entschied, was ihr verwenden wolltet?
Mike: Als wir erst einmal festgestellt hatten, dass es für jeden der Album-Tracks auch eine oder mehrere Demo-Versionen gibt, wussten wir, dass das der Weg sein würde. Bis jetzt hat sie nie jemand zu hören bekommen. Auch wir hatten sie seit der Zeit, in der wir an ihnen gearbeitet hatten, nicht mehr angehört.

Michael: Warum sollten wir auch?

Mike: Genau, warum auch? Jedenfalls, so entschieden wir uns, den Vorhang zu lüften und den Leuten den Prozess zu zeigen, wie die Dinge entstanden sind.

Als ihr die Demos zum ersten Mal nach 25 Jahren anhörtet, gab es da Highlights, auf die ihr gestoßen seid?
Mike: Für mich war das Beste Bill Berry, der eine Strophe bei ›Radio Song‹ sang. Ich denke, seine Version war einfach perfekt. Ich wünschte, wir hätten sie behalten. Das war einfach so ein wunderschöner Gegenpunkt zu deiner Stimme. Warum haben wir das nicht so gelassen?

Michael: Ich weiß nicht.

Warum hatte er diese Stelle überhaupt ge­­sungen?
Mike: Keine Ahnung! Vermutlich war es einfach: „Bill, übernimm mal ’ne Strophe!“ Wer weiß es schon genau?

Michael: Bei diesem Album nahmen wir das gesamte Regelwerk und warfen es zum Fenster hinaus. Ich meine, bei zwei Songs singt Mike die Lead-Vocals. Für uns war es aufregend, Gang Of Four und ihrem Beispiel, mehr als nur einen Sänger zu haben, zu folgen. Wir haben alles Mögliche ausprobiert.

Die neue Edition kommt mit einem Mitschnitt eurer „Mountain Stage Show“, einer Live-Radio-Sendung, die eines eurer wenigen Konzerte zu dieser Zeit übertrug. Habt ihr daran noch besondere Erinnerungen?
Michael: Oh ja, ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Mein Hund war bei der Show dabei. Max! Weißt du noch, Mike?

Mike: Oh ja! Max, der am meisten furzende Hund der Welt.

Michael: Na, aber er war krank!

Mike: Das war nur eine Feststellung, ich verurteile ihn nicht! (lacht)

Michael: Jedenfalls lag Max unter dem Mischpult und furzte den ganzen Tag. Es war fürchterlich, ja. Er lebte noch ein gutes, langes Leben. Eine Woche nach 9/11 starb er dann. Damals war eine Radio-Show etwas anderes als heute. Es war sorglos und eine gute Alternative zum Touren.

Michael, du hast einmal gesagt, dass du Nos­talgie verachtest. Der Prozess, eine solche Jubiläumsausgabe zusammenzustellen, ist aber schon ziemlich nostalgisch, oder?
Michael: Oh ja, ich verachte Nostalgie und ich verachte Sentimentalität. Und dennoch bade ich mich schon mein ganzes Leben darin.

Mike: Das hier ist aber nicht ausschließlich nos­talgisch. Es bietet viel neue Informationen für die Fans und natürlich auch solche, die es vielleicht dadurch erst werden. Das mag ich!

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